SCHWEBEN UND HÖREN [1991]

VON KLANG ZU KLANG mit einer Wuppertaler Schwebebahn
Klangprojekt von Johannes Wallmann




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Uraufführung: Wuppertal 30.11. - 6.12. 1991
Veranstalter: Kulturamt der Stadt Wuppertal in Kooperation mit den Wuppertaler Stadtwerken

Ein Moment des Abhebens schwingt bei Fahrten mit der Wuppertaler Schwebebahn ebenso mit, wie die Faszination des Flusses, über dem sie entlanggleitet. Die Idee dieser Klanginstallation war es, das Gefühl des Schwebens zu unterstützen und zugleich dem dynamischen Prozess “alles fließt” zu entsprechen. Jedem der 18 Streckenabschnitte zwischen den Stationen wurde eine eigene Tonhöhenskala zugeordnet, die jeweils um eine Tonhöhe (plus deren Oktavierungen) zur Skala der vorangegangenen und nachfolgenden Strecke unterschiedlich war. Dadurch vollzog sich klanglich ein allmähliches Gleiten von einem zum anderen Ende der ca. 17 km langen Gesamtstrecke der Schwebebahn, die so zugleich zu einer Strecke der Klangerfahrung wurde. Drei Klangschichten interagierten: Neben den erwähnten Grundklängen waren - entsprechend der Dauernstruktur - jeweils 96 mögliche Varianten der 12 tageszeitlich unterschiedlichen Modi sowie das durch einen Harmonizer verformte Geräusch des Fahrtriebwerkes der Schwebebahn selbst zu hören. Die Klänge und Modi wurden auf Grundlage der Tonhöhenskalen mit Hilfe eines Synthezisers jeweils live kreiert und mit tageszeitlichen Varianten sowie unter Einbeziehung von Zufallsoperationen durch den Computer live gesteuert. Der Sound war so gewählt, daß er den verschiedenen Eigenklängen und Geräuschen (Summen, Rauschen) der Schwebebahn ähnlich war, sich aber doch deutlich aus diesen herauszuheben vermochte. Die Klänge begannen jeweils erst nach dem Schließen der Türen, mit dem Anfahren der Bahn und waren in ihrer Lautstärke eher zurückhaltend. Per Quecksilberschalter, der auf starke Brems- und Anfahrvorgänge reagierte, konnte der Fahrer zudem das Klanggeschehen beeinflussen. Während des Projektzeitraumes kamen ca. 20.000 Schwebebahnfahrgäste mit dem Projekt in Berührung. Viele Menschen warteten zum Teil Stunden, um mit der Bahn fahren und das Projekt erleben zu können. Die am letzten Tag spontan aufgenommenen Interviews belegen interessant die Meinungen der Fahrgäste und die hohe Akzeptanz des Projektes.

Technische Leitung: Johannes Thor
Künstlerische Leitung: Johannes Wallmann