„Kunstaktion“ – bitte beteiligen!

Zukunftsforum Berlin

Integrale Ideenskulptur zum Areal des Berliner Stadtschlosses

Berlins Mitte – Museum oder Zukunftsforum?

Die Empfehlung der Expertenkommission zum Areal des Berliner Stadtschlosses stellt sicherlich einen großen Fortschritt im Vergleich zu den entsprechenden Diskussionen der vergangenen Jahre dar. Doch sie kann all jene, die nachhaltig und zukunftsorientiert denken, nicht annähernd befriedigen. Denn durch den anhaltenden allgemeinen Innovationsstau ist deutlich, dass in die Zukunft anstatt in die Vergangenheit investiert werden muß. Angesichts der Empfehlung der Expertenkommission stellt sich daher die Frage, ob sich unsere Gesellschaft eine so hohe Investition in Vergangenheiten leisten darf, während gleichzeitig das auf Zukunft orientierte kulturell und künstlerisch avancierte „Humankapital“ noch tiefer ins finanzielle Abseits fallen gelassen wird.

Ich beantworte diese Frage mit einem klaren Nein. Wenn solch riesige Investitionen notwendig sind, so sollten sie an diesem zentralen Ort präzedenzfallartig zur Auflösung des allgemeinen Innovationsstaues und für die Gestaltung der Zukunft eingesetzt werden.

Diesen Ideenentwurf möchte ich als den Beginn einer integralen Ideenskulptur in progress verstanden wissen. Sie soll dazu beitragen, die Diskussion um den Berliner Schloßplatz neu zu entfachen. Alle, die die Neuerrichtung der Schloßfassade und das Konzept der Expertenkommision (die dort Sammlungen aus vergangenen Zeiten aufleben lassen will) ablehnen, sind aufgerufen, sich an der Entwicklung dieser Ideenskulptur zu beteiligen und sich für das Zukunftsforum Berlin stark zu machen.

Mit der integralen Ideenskulptur soll ein Modell gebildet werden, mit zukunftstragfähige Ideen, Ansatze und Konzepte Schritt für Schritt so miteinander in Einklang zu bringen wären, dass sie zahlreiche Synergien bilden und zu einem vitalen Ausdruck eines integralen Zukunftsbewusstseins werden.

Bitte zögern Sie nicht, Ihre für ein Zukunftsforum Berlin relevanten Ideen, Überlegungen sowie möglichen Aktivitäten zu formulieren und mitzuteilen an: www.wallmann@integral-art.de

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich damit an der Durchsetzung des ZUKUNFTFORUM BERLIN beteiligen möchten.

H. Johannes Wallmann, Berlin, im Juni 2002


H. Johannes Wallmann

Zukunftsforum Berlin

Integrale Ideenskulptur zum Areal des Berliner Stadtschlosses


Das Zukunftsforum Berlin ist gedacht als ein internationales Innovationszentrum für Kultur, Kunst, Wissenschaft und Technik und soll das Ziel verfolgen, differenzierte Vorstellungen von der Zukunft der Menschheit sowie integrale Strukturmodelle zu sichten, zu entwickeln und öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren. Als kulturelles Innovationszentrum fungiert das Zukunftsforum Berlin als eine Plattform, um zur öffentlichen Kommunikation kulturell innovativen Bewusstseins beizutragen.


Warum kulturelle Innovation?

Jede Gesellschaftsordnung bedarf einer Kultur, durch die ihre Resonanz- und Konsensbildung sowie ihre integrale Intelligenzübertragung gesichert wird. Veraltete kulturelle Strukturen verhindern, dass dies zukunftstragfähig geschehen kann. Eine Gesellschaft, deren kulturelle Strukturen veraltet sind, ist auf Dauer nicht existenzfähig.

Auch die moderne Demokratie braucht eine Kultur, mit der sie ihre allgemeinen Werte effektiv zu kommunizieren vermag.

Worauf könnten die zentralen kulturellen Werte von Demokratie beruhen? Als Grundwert der modernen demokratischen Gesellschaft kann die Weitergabe und Unterstützung von organismischen Lebensformen und integraler Intelligenz sowie die gemeinsame Suche nach den teleonomisch richtigen Lösungen gelten.

Nur mit einem entsprechend entwickelten kulturellen Werte-kanon wird die demokratische Gesellschaft nicht in die Eigendynamiken von Einzelinteressen zerfallen.


Inter- und transdisziplinäre Aufgaben und Strukturen

„Alle anderen Lebewesen sind für hochspezialisierte Aufgaben bestimmt. Nur der Mensch scheint als komprehensiv Verstehender zur Koordination der lokalen Angelegenheiten des Universums geeignet“ sagt Buckminster Fuller in „Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde“.
Zentrum des Zukunftsforums soll die inter- und transdisziplinäre Kommunikation stehen. Entsprechend soll das Zukunftsforum das Zentrum eines weitverzweigten – auch virtuell arbeitenden – internationalen Netzwerkes sein. Da inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit als eine sehr arbeitsaufwendige und äusserst hochkomplexe Aufgabenstellung gelten muss, bedarf sie der Entwicklung spezieller Formen und Strukturen.

Eine der zentralen Aufgaben des Zukunftsforums bestünde daher darin, Strukturen inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit zu entwickeln und diese öffentlickeitswirksam zu kommunizieren.
Themen könnten z.B. sein: Architekturen der Zukunft, Die Stadt als Kunstraum, Akustische und Optische Ökologie, Urmysterien des Menschseins, Bedeutungswandel der Farben und Formen, Verhältnis von Arbeit und Freizeit, dynamische Selbstorganisationssysteme, Entwicklung und Kommunikation neuer Formen demokratischer Entscheidungsbeteiligung Neue ökonomischr und soziale Ausgleichssysteme.
Die ökologische Problematik, Chancen und Folgen von Gentechnologien, Nanotechniken, Informations- und Überwachungstechniken sollten ebenso zu den Themen des Zukunftsforums gehören, wie integrale technisch-ökologische Lösungen für die Energieversorgung, die Ernährungsproblematik, die Problematik der Wasser- und Luftressourcen oder des Klimaschutzes. Die technischen, ökologischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Fragestellungen sind integral zu betrachten.

In allen Bereichen des Zukunftsforums soll es um eine öffentlichkeitswirksame integrale Einordnung und synergetische Erschliessung dieser Themen gehen


Multimediale Ausstellungen, Kongresse, Tagungen

Für die öffentliche Kommunikation der gesellschaftlich relevanten Zukunftsfragen soll mit Veranstaltungen aller Art, multimedialen Ausstellungen, Kongressen, Tagungen und Performances zu den verschiedenen inter- und transdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsthemen ein möglichst großes Publikum angesprochen werden.

Performances-Center

Im Performances-Center werden Wissenschaftsfilme und Experimentalfilme, Raummusik, Neue Musik, multimediale Künste, Jazz und freie Improvisation, Tanz- und Theaterperformances, Klang- und Lichtinstallationen, Literaturlesungen sowie philosophische, wissenschaftliche, künstlerische Ausstellungen und Vorträge veranstaltet.

Dieses Performances-Center umfasst 6-12 Veranstaltungsräume mit je ca. 80-120 Plätzen, so dass (vergleichbar einem Kino-Center) an jedem Tag bis nach Mitternacht in unterschiedlichen Räumen Veranstaltungen zu gleicher Zeit laufen können. Es wird dadurch ein interessanter themenbezogener öffentlicher Diskurs über die Gegenwart und Zukunft der Menschheit geführt werden können.

Spezialbibliothek und Restaurantstrukturen

Eine interdisziplinär ausgerichtete internationale Spezialbibliothek sowie ein Internet-Café sollte im Zukunftsforum ebenso selbstverständlich einen Platz haben, wie angemessene Restaurantstrukturen.

Transkulturelle Verständigung

Kultur konfiguriert die Gemüter. Sie ist als Schlüssel für eine innovative Entwicklung transkultureller Qualitäten sowie zur Lösung vieler globaler Probleme zu sehen. Daher soll ein Schwerpunkt des Zukunftsforums auf der Entwicklung und Praktizierung von Modellen kulturell innovativer Kommunikation und transkultureller Verständigung liegen.

Die avancierten Künste, die nicht selten den Künsten primitiver aussereuropäischer Kulturen ähnlich sind, lassen erahnen, dass in ihnen ein Grundvokabular transkultureller Verständigung vorhanden ist. Die Kunst der bisherige Moderne hält dafür zahlreiche Beispiele bereit. Entsprechend wäre in das praktische und philosophische Know how der Künste zu investieren.

Integral-Games

Um tatsächlich zu einer transkulturellen Praxis zu gelangen, verfolgt das Zukunftsforum die Idee der Integral-Games. Durch Integral-Games werden die unterschiedlichen Formen und Funktionen aus den Religionen, Philosophien und Weisheiten, den Künsten und Wissenschaften der verschiedenen Kulturen zueinander in sensible und intelligible Relationen gesetzt.

Die Integral-Games knüpfen an der Glasperlenspiel-Idee von Hermann Hesse kritisch reflektierend und medial erweitert an. Mit Integral-Games sollen in Klang und Form und Farbe die abstrakten (oder auch konkreten) Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Weltkulturen sowie die kosmischen und organismischen Aspekte menschlichen Lebens auf eine grundsätzliche und doch schlichte Art sinnlich erfahrbar werden. Die Wahrnehmung z.B. von Supernova, die Funktionen z.B. Schwarzer Löcher im Weltall, wissenschaftliche Aspekte z.B. der Chaos- und Stringstheorien werden dabei ebenso eine Rolle spielen, wie die menschliche Kreativität selbst oder wie die – mit der Idee der „world-games“ von Buckminster Fuller angeregten - Simulationen z.B. von ökologischen, ökonomischen, kulturellen, demographischen, genetischen, technischen Problemen und Problemlösungen.

Die Integral-Games, die eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit voraussetzen, könnten zu zentralen öffentlichen Höhepunkten der gesamten Arbeit des Zukunftsforums werden.

„Wir leben in einem als Einheit beschreibbaren ökologischen System mit selbstgemachten Problemen, aber auch inhärenten Lösungsansätzen. Es muss jedoch ein Vorstellung vom Ganzen geben, um richtige Teillösungen zu finden.“ (Joachim Krausse zu Buckminster Fullers World Game)


Sammlungen aussereuropäischer Kulturen

Zwar gilt es die Prioritäten auf das Zukunftsforum zu konzentrieren, doch könnten dem Zukunftsforum im sogenannten „Überlauf“ (wie es neulich in einer Rundfunksendung zum Berliner Schlossplatz-Areal hiess) die Sammlungen aussereuropäischer Kulturen und ggf. weitere Ausstellungen angegliedert werden. Denn sowohl im Hinblick auf die Zukunft der Globalisierung als auch im Hinblick auf die konkrete deutsche Vergangenheit würde es Sinn machen, aussereuropäische Kulturen im Zentrum der deutschen Hauptstadt zu verankern.

Da im Zeitalter der Globalisierung zudem eine zukunftsorientierte Kultur als solche nur funktionieren wird, wenn sie transkulturelle Dimensionen erreicht, darf der Vergleich der Kulturen, die Erschliessung aussereuropäischer Weisheitsreservoire sowie die Hinterfragung von deren Relevanz für die Innovation der europäischen Kultur als hinreichend wichtig gelten. (Nicht nur, weil sich eine interessante Verbindung zu den Integral-Games ergeben würde.)

Generalplanung des gesamten Areals

Natürlich betreffen die Planungen um den Schloßplatz die Fragestellung nach einer Generalplanung des gesamten Areals vom Alexanderplatz bis hin zur Bauakademie, unter Einbeziehung von Marstall und altem DDR-Staatsratsgebäude. So gesehen könnte davon ausgegangen werden, dass viel Platz vorhanden ist. Das Konzept des Zukunftsforums wäre entsprechend zu konkretisieren und zu erweitern, bis hin zur Funktion einer neuen Bauakademie, einem technischem Innovationszentrum oder Ausbildungs-stätten ökolonomischen Wirtschaftens.


„Nichts ist politischer als Kulturpolitik“

Dieser Satz wurde kürzlich in einer Rundfunksendung von Prof. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbe-sitzes, geäussert. Prof. Klaus-Dieter Lehmann - dessen Idee der Verlegung der Aussereuro-päischen Sammlungen in das Schloßareal das Gutachten der Expertenkommission wohl am wesentlichsten prägte - hat damit völlig recht; wenn vielleicht auch etwas anders, als er es gemeint haben mag.

Denn solange in Deutschland die kulturelle Vergangenheit als der Inbegriff von Kultur gilt und sie den Bärenanteil der Finanzmittel ohne Rücksicht auf die avancierten Künste und auf die Entwicklung einer neuen integralen kulturellen Qualität verschlingt, wird die Gesellschaft durch ihre kulturelle Rückwärtsgewandtheit im Innovationsstau stecken bleiben und dabei zunehmend in einzelne Eigendynamiken zerfallen. Mit ihren Investitionen in die Vergangenheit erweist sie sich daher einen Bärendienst, wenn dieser nicht mindestens ebensolche Investitionen in die Zukunft entgegen stehen.

Die Ernte verfallen zu lassen?

Nach der gegenwärtigen Lage der Dinge ist es nicht verwunderlich, wenn die avancierten Künste und Künstler heute mehr oder minder individualistisch agieren; es bleibt ihnen kaum eine andere Wahl. Denn ohne vernünftige strukturelle Grundlagen können die avancierten Künste der Gegenwart kaum künstlerische Ereignisse hervorbringen, die zukunftstragfähig weit in die Gesellschaft hineinwirken. Paradox und beschämend, dass viele Milliarden für die künstlerische Ausbildung aufgewendet werden, aber bisher kaum Strukturen bestehen, um dieses „Humankapital“ an Kreativität und wacher Intelligenz für die Gesellschaft zu erschliessen. Es ist, als ob ein riesiges Feld bestellt würde, um die Ernte verfallen zu lassen.

Dieser Ressourcenverschleiss und seine katastrophalen – weit in die Gesellschaft hineinwirkenden - Folgen ist nicht zuletzt durch falsche kultur- und medienpolitische Entscheidungen bedingt.


Den Ressourcenverschleiss stoppen

Die Idee des Zukunftsforums bietet die Möglichkeit, den genannten Ressour-cenverschleiss zu stoppen und das vorhandene zukunftsorientierte Kreativitäts-, Intelligenz- und Innovationspotential durch inter- und trans-disziplinäre Strukturentwicklung effektiv und gesellschaftlich relevant zu erschliessen.

Erst durch die Innovation des Struktursystems kann Kultur wieder (wie es auch aussereuropäische Kulturen einst waren) zu einer Verknüpfungsleistung der unterschiedlichen Daseinsebenen menschlichen Lebens und zu einem Resonanzpool werden, aus dem die Gesellschaft als Ganzes ihren Konsens und Zusammenhalt zu schöpfen und so den Anforderungen der Zukunft auf hohem Niveau zu genügen vermag.

Maßstäbe für die Stadtentwicklung der Zukunft setzen

Zumal Kreativität, Intelligenz und Know how als der eigentliche Reichtum der Gesellschaft gelten müssen, wären die notwendigen Investitionen für ein solches Zukunftsforum ausserordentlich sinnvoll eingesetzt: sie würden für die gesamte Gesellschaft einen hohen Mehrwert und Synergien von immenser Schubkraft bringen. Und in der Mitte von Berlin ein unglaublich attraktives Zentrum, das – anstatt an das alte Stadtschloss erinnern zu wollen - durch seine städteplanerischen, architektonischen, künstlerischen, ökologischen, energietechnischen und verkehrsplanerischen Qualitäten Maßstäbe für die Stadtentwicklung der Zukunft setzen könnte.

Kaum eine andere europäische Hauptstadt hat solch eine Chance der Neuplanung und Neubebauung eines so großen innerstädtischen Areals aufzuweisen; ob Berlin sie zum wiederholten Mal verspielt?


Die Ideenskulptur wurde entwickelt anlässlich des Kortex-Entwurfseminars
an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Fachbereich Architektur / Professor Lothar Eckhardt / Wintersemester 2001/2002

Bitte zögern Sie nicht, Ihre für ein Zukunftsforum Berlin relevanten Ideen, Überlegungen sowie möglichen Aktivitäten zu formulieren und mitzuteilen an: www.wallmann@integral-art.de